Mutter Charitas Brader

Mutter Charitas Brader wurde am 14.08.1860 in Kaltbrunn geboren. Die Ordensgründerin der Missions-Franziskanerinnen Maria Immakulata mit Niederlassungen und Schulen in Latein- und Nordamerika starb am 27.2.1943 in Pasto, Kolumbien.

Am 23.3.2003 wurde sie als Symbol für die Völkerverständigung selig gesprochen. Ihr Motto: "Alles aus Liebe zu Gott und wie er es will"

 
Die schön gestaltete Reliquienecke in der Pfarrkirche Kaltbrunn.    

Gründerin der Franziskanerinnen von der unbefleckten Jungfrau Maria

Charitas Brader, Tochter des Ehepaares Sebastian Brader und Maria Karolina Zahner, erblickte das Licht der Welt am 14. August 1860 in Kaltbrunn. Am folgenden Tag wurde sie auf den Namen Maria Josefa Karolina getauft.

Als Kleinkind verlor sie ihren Vater, und ihre junge Mutter musste die Verantwortung der Erziehung ihrer einzigen Tochter allein übernehmen, der sie von klein auf christliche Prinzipien einflösste. Die kleine Karolina begeisterte sich für das Leben der Heiligen und versuchte, sie nachzuahmen. Sie legte ihre schöne Daunendecke auf den Fussboden neben dem Bett, legte sich darauf, um sich wie die Heiligen zu kasteien. Auf die verwunderte Frage der Mutter, was das bedeute, antwortete sie: Ich will wie die Heiligen aus Liebe zum lieben Gott auf dem Boden schlafen. Wenn du das willst, entgegnete die Mutter, dann auf dem blossen Boden und nicht auf der Decke.

Karolina war mit einer ausserordentlichen Begabung gesegnet. Die Mutter bemühte sich, ihrer talentierten Tochter eine ausgezeichnete Ausbildung zu geben. In Kaltbrunn besuchte die aufgeweckte Karolina die Primarschule, die Sekundarschule im Institut Maria Hilf, Altstätten, bei den Schwestern des Dritten Ordens des Heiligen Franziskus. Weitere Studien absolvierte sie bei den Benediktinerinnen in Sarnen und in der französischsprachigen Schweiz, im Internat der Schwestern von der Heimsuchung in Fribourg.

Als sich ihr eine verlockende Zukunft bot, vernahm sie in ihrem Herzen den Ruf Christi, und sie entschied sich für das geweihte Leben. Am 1. Oktober 1880 trat Karolina in Altstätten ins geschlossene Franziskanerinnen-Kloster Maria Hilf ein, wo sie einen Teil ihrer Studien verbracht hatte. Dieses Kloster begeisterte sie besonders, weil sie sich nach einem einfachen, armen Leben sehnte. Am l. März 1881 erhielt sie bei der Einkleidung den Namen Maria Charitas von der Liebe des Heiligen Geistes. Am 22. August des folgenden Jahres legte sie die feierlichen Gelübde ab.

Als die Kirche den beschaulichen Ordensfrauen erlaubte, die Klausur zu verlassen, um sich für die Ausbreitung des Reiches Gottes in den Missionen einzusetzen, trat Schwester Charitas mit sechs Schwestern von Maria Hilf mit kirchlicher Erlaubnis die Reise nach Chone (Ecuador) an. Nach harter und segensreicher Missionstätigkeit in Ecuador wurde Schwester Charitas 1893 nach Túquerres (Kolumbien) gesandt. Hier begann sie die Gründung der Kongregation der Franziskanerinnen von der Unbefleckten Jungfrau Maria.

Arm und glücklich entfaltete sie ihren brennenden Missionseifer. Sie liebte die Eingeborenen und scheute keine Mühe, um zu ihnen zu gelangen. Sie trotzte den gefährlichen Stürmen des Ozeans, den Tücken des Urwalds und der extremen Kälte der Andenbergwelt. Ihr Eifer kannte keine Ruhepause. Am meisten war sie um die Ärmsten besorgt, um die Ausgegrenzten der Gesellschaft, um diejenigen, die das Evangelium noch nicht kannten.

Sie unternahm Missionsreisen, um ihren geistlichen Töchtern zu helfen, sie zu motivieren und durch ihr Beispiel aufzumuntern, mit apostolischem Eifer sich der Verbreitung des Evangeliums zu widmen. Leute, die Mutter Charitas beobachteten auf ihren Reisen zu Pferd, im Kanu oder auf dem Tragstuhl, mit dem sie die Indios über die gefährlichsten Stellen auf dem Rücken trugen, waren bestürzt über den Mut, die Unerschrockenheit und den Glauben von Mutter Charitas und ihren Schwestern, Expeditionen zu unternehmen, die auch die mutigsten Männer erschreckten.

Ihre Nächstenliebe kannte keine Grenzen. Ihr humanitärer Einsatz zeigte, wie ihr Herz und ihre Gedanken immer aufmerksam waren, den Mitmenschen zu helfen, sogar mit dem Einsatz ihres Lebens und dem ihrer Schwestern. Das bewies sich, als Kolumbien im XX. Jahrhundert in die Schrecken eines Bürgerkriegs verwickelt wurde, der eher eine Christenverfolgung war und als Tausendtage-Krieg in die Geschichte eingegangen ist. Anlässlich dieser feindlichen Lage schloss Mutter Charitas kurzentschlossen die Schulen und Kollege und bot ihre Gebäude als Lazarette an. Sie selber und ihre Töchter wirkten dort als freiwillige Krankenschwestern, um Soldaten beider Lager mit heroischer Liebe zu pflegen. Ihr apostolischer Einsatz erstreckte sich überall dorthin, wo es notwendig war. Den Namen Jesus zu kennen und zu lieben.

Ihr grosses Interesse für die Kinder und die Jugend veranlasste sie, Erziehungszentren zu gründen, um die Jugend zu bilden und zu orientieren. Sie wollte, dass ihre Schwestern die Schüler nach der Losung erzögen: Jede Erziehung muss den Schüler seine eigene Menschenwürde spüren lassen, von Gott durchdrungen sein und die Eucharistie in den Mittelpunkt stellen.

Ihr Leben war ein Weg zur Heiligkeit

Von Mutter Charitas konnte man wie von Franziskus von Assisi sagen : „Menschgewordenes Gebet", denn sie verstand es, in der Begegnung mit Gott Weisheit, Grossmut, Verständnis und apostolische Horizonte zu empfangen. Das Fundament des christlichen Lebens sind die theologischen Tugenden. Sie waren es, die Mutter Charitas ihr ganzes Leben lang Sinn und Wärme gaben. Ihr Glaube entsprang der Gegenwart Christi im Altarsakrament. Davon zeugt die brennende Liebe zum Altarsakrament, die sie bewog, sich unermüdlich für die Erlaubnis der Ewigen Anbetung einzusetzen. Am 22. August 1928 wurde sie ihr von Seiner Heiligkeit Papst Pius XI. Gewährt, und das erfüllte sie mit unsäglicher Freude und Dankbarkeit. Dieses Vermächtnis hinterliess sie ihrer Kongregation im Mutterhaus Maridiaz in Pasto (Kolumbien), wo sie selber, trotz ihrer vielen Aufgaben, oft lange vor dem Allerheiligsten in tiefer Andacht verweilte.

Einer der Beweise ihres unerschütterlichen Glaubens war die Annahme von Gottes Willen, dem ihr Motto entsprang, das sie ihrer Kongregation hinterlassen hat: Alles aus Liebe zu Gott und wie er es will. In schwierigen Situationen konnte sie sich leicht zu Gott und seiner weisen Vorsehung erheben und den Seelenfrieden bewahren. Auf echt franziskanische Art konnte sie Gottes Schönheit und Allmacht in der Natur erkennen. Mit dem Glauben ist die Hoffnung eng verbunden. Sie besass sie immer unerschütterlich und pflegte sie heroisch; in ihr gründete sich ihr Leben, weil sie auf Gott vertraute.

Neben der Treue, mit der sie die theologischen Tugenden übte, sticht ihr franziskanischer Geist hervor, in dem die Tugenden der Armut, der Demut und des Gehorsams gründen.

Dass Mutter Charitas die Armut liebte, lässt ihr Ausruf erkennen: „Oh glückliche heilige Armut, die uns viele Dinge unnötig erscheinen und mit Wenigem zufrieden sein lässt, du machst uns so glücklich!" Sie lehrte, die Armut nicht nur äusserlich zu pflegen, sondern besonders als innere Haltung.

Sie bemühte sich ihr Leben lang, eine solide Demut zu erlangen, denn sie sah in dieser Tugend das Fundament und die Ergänzung aller übrigen Tugenden.

Ihr Leben erfüllte sich im Alter von 82 Jahren. Am Morgen des 27. Februar 1943 gab sie ihre Seele friedlich dem Schöpfer zurück, um von ihm die Krone für ihr segensreiches Leben zu empfangen. Kaum hatte sich die Nachricht ihres Todes verbreitet, hörte man überall den Ruf: Eine Heilige ist gestorben.

Bald begannen unzählige Gläubige ihr Grab zu besuchen und um Fürsprache zu flehen in ihren Anliegen. Von einem der Wunder, die auf ihre Fürbitte geschehen sind, zeugt die Seligsprechung durch die Kirche zur Ehre Gottes und zur Erbauung des Gottesvolkes.